GRÖLEN, LACHEN, JUBELN -


WAS MIT DEINEM GESICHT PASSIERT, WENN DU DICH FREUST

GRÖLEN, LACHEN, JUBELN –


WAS MIT DEINEM GESICHT PASSIERT, WENN DU DICH FREUST

Zittern, bangen, letzte Minute vor Schlusspfiff, das entscheidende Tor steht aus. Plötzlich: Platz, eine Konterchance, die Burschen reagieren schnell. Flanke. Kopfball. TOOOOR! Schlusspfiff. SIEG! Selbst wenn das Leben der gesamten Menschheit davon abhängen würde, könntest du deine Freude jetzt nicht zurückhalten. Du grölst, du lachst, du jubelst. Das Leben ist schön.

Wenn du dich jetzt bloß sehen könntest: aufgerissener Mund, kleine Augen, schreiend, brüllend, herumfuchtelnd, spuckend. Eigentlich kein schöner Anblick. Aber in diesem Moment ist das egal.

Doch was tut unser Gesicht bei diesen Freudenausbrüchen eigentlich? Und warum lassen wir uns so einfach von anderen anstecken? Wir haben die Fakten.

FAKT 1: ECHTE FREUDE KANNST DU NICHT VORTÄUSCHEN

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Während du vor lauter Glück jubelst, leistet deine Gesichtsmuskulatur Schwerstarbeit. Von den 26 Muskeln in deinem Gesicht sind nur acht für deine Mimik verantwortlich. Doch das genügt auch: Zusammen mit dem Kiefer kannst du so etwa 10000 verschiedene Gesichtsausdrücke zu zeigen.

Und wenn du jubelst und vor Freude brüllst, sieht man das natürlich. Das liegt daran, dass unsere mimische Muskulatur direkt vom limbischen System – unserem Emotionszentrum – gesteuert wird. Und echte Freude lässt sich im Gegensatz zu anderen Dingen (hust) nur sehr schwer vortäuschen.

„Der kleine Jochbeinmuskel zeigt dein wahres Gesicht“.

Warum das so ist? Schuld daran ist der zygomaticus minor. Klingt irgendwie lateinisch? Ist es auch. Das ist der kleine Jochbeinmuskel – der Verräter unter den Gesichtsmuskeln. Er verrät dich, sobald du dich nicht aufrichtig über etwas freust.

Erst beim Empfinden von echter Freude – also zum Beispiel, wenn Österreich ein entscheidendes Tor schießt – wird der Muskel aktiv.

Und nicht nur der kleine Zygomaticus ist dann in Bewegung: Die gesamte Gesichtsmuskulatur spannt sich an, das Gesicht „wandert“ nach oben. Die Augen werden kleiner, Wangen- und Mundmuskulatur haben den Drang, in die obere Gesichtshälfte zu gleiten.

Du kannst also gar nicht anders, als blöd zu grinsen.

Je nachdem wie lustig du eine Situation findest, heben sich dann auch die Mundwinkel. Und wenn du sogar lachen musst, will sich dein Mund unbedingt öffnen, damit sie Luft ausströmen kann, die beim Lachen über 100 km/h schnell wird. Auch die Zähne zeigst du beim Lachen. So symbolisierst du deinen Mitmenschen, dass von dir keine Bedrohung ausgeht. Zumindest im Moment nicht.

Wenn du dich freust, sieht man das deinem Gesicht an. Doch bei besonders intensiven Gefühlen reicht die Mimik alleine nicht mehr aus, um zu erkennen, ob du nun im Siegestaumel bist oder einen trauererfüllten Schrei loslässt. Denn:

FAKT 2: EXTREME EMOTIONEN KANNST DU NICHT AM GESICHT ABLESEN

Es mag komisch klingen, aber wenn deine Gefühle besonders intensiv sind, können andere nicht beurteilen, ob sie positiv oder negativ sind. Das haben die Psychologen rund um Hillel Aviezer von der Princeton University in ihrer Studie herausgefunden.

Sie zeigten drei Gruppen von jeweils 15 Probanden Fotos von Tennisprofis, die bei einem wichtigen Spiel einen Punkt gewonnen oder verloren haben. Das überraschende Ergebnis: Die Probanden konnten anhand des Gesichts nur schwer zuordnen, ob sich der Tennisprofi gerade freut oder ärgert.

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Uns überrascht das wenig. Die Bilder sehen nämlich so aus, als hätte der Gegner den Ball genau in die Weichteile des armen Tennisprofis geschossen.

Als die Probanden schließlich das ganze Bild, inklusive Körper sahen, merkten sie: „Oh, doch kein Schuss in die Weichteile, der freut sich ja!“. Sie konnten die Situation also besser einschätzen.

Fazit: Um die Mimik anderer Menschen bei starken Gefühlen richtig deuten zu können, benötigst du auch immer deren Gestik. Und die ist, bei einem Ereignis wie der Fußball EM, doch recht… sagen wir mal präsent.

Und jetzt fragst du dich, wieso eine jubelnde Masse auch dich wie einen wild gewordenen Orang-Utan aussehen lässt? Das liegt dann daran:

FAKT 3: GEFÜHLE SIND ANSTECKEND

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Wenn wir jemanden lächeln sehen, lächeln wir unwillkürlich mit. Wenn jemand weint, macht uns das traurig. Dieser Effekt zeigt sich auch beim Fußball. Dass Fans in kollektiven Jubel ausbrechen, liegt an einem bestimmten Areal im Gehirn.

Die sogenannten Spiegelneuronen sind schuld. Sie sorgen dafür, dass du kein emotionsloser Stein bist, an dem die Gefühle anderer Menschen einfach abprallen. Sie geben dir die Fähigkeit, die Gefühle und das Verhalten deiner Mitmenschen wahrzunehmen und dein Verhalten damit abzugleichen.

Dank der Spiegelneuronen fängst du bei einem weinenden Gegenüber also nicht an, deinen Namen zu tanzen. Und dank der Spiegelneuronen jubelst du mit den anderen Fußballfans automatisch mit. Oder brichst in kollektive Trauer aus. Du kannst dich also nicht wehren. Und wenn du die Fahne umklammerst und heimlich eine Träne vergießt, denk daran: Es waren die Spiegelneuronen.

Bildquelle: gepa-pictures.com